Was Hersteller verschweigen: Der erschreckende Fettgehalt hinter den harmlosen Symbolen auf Mayonnaise

Mayonnaise gehört zu jenen Produkten, die im Supermarktregal durch bunte Siegel und Symbole um die Gunst besorgter Eltern werben. Doch bei einem Lebensmittel mit hohem Fettgehalt und beachtlicher Kaloriendichte stellt sich die Frage: Wie viel Wahrheit steckt hinter den Qualitätsversprechen auf der Verpackung? Die Antwort fällt ernüchternd aus, denn viele dieser Zeichen sind Marketing-Instrumente ohne echte Kontrollinstanz.

Bunte Symbole, wenig Substanz

Wer Mayonnaise kauft, begegnet einer wahren Flut von Siegeln. Herzen, Haken, Sonnen und andere grafische Elemente suggerieren Qualität und Unbedenklichkeit. Das Problem dabei: Ein Großteil dieser Symbole ist weder gesetzlich geschützt noch von unabhängigen Stellen geprüft. Hersteller entwickeln eigene Qualitätszeichen, die auf den ersten Blick offiziell wirken, tatsächlich aber lediglich der Verkaufsförderung dienen. Für Eltern, die zwischen Kita-Abholung und Abendbrot schnell einkaufen müssen, wird die Unterscheidung zwischen echten Prüfsiegeln und selbst entworfenen Marketing-Symbolen zur Herausforderung.

Besonders perfide: Diese visuellen Elemente sind keineswegs zufällig platziert. Sie folgen einer klaren Strategie, die darauf abzielt, Vertrauen zu schaffen und den Eindruck zu erwecken, das Produkt sei für Kinder besonders geeignet. Dabei bleibt die ernährungsphysiologische Realität außen vor: Mayonnaise besteht zu 76 bis 82 Prozent aus Fett und liefert etwa 700 bis 743 Kilokalorien pro 100 Gramm. Ein einziger Esslöffel bringt es auf 105 bis 150 Kalorien – mehr, als viele vermuten würden.

Der Trick mit den negativen Auslobungen

Besonders clever sind Hinweise wie „Ohne Konservierungsstoffe“, „Ohne Farbstoffe“ oder „Ohne künstliche Aromen“. Diese Formulierungen erwecken den Eindruck, es handle sich um eine besonders natürliche Variante – ideal für die Kinderbrotdose. Die Wahrheit dahinter sieht anders aus: Moderne Produktionsprozesse und kurze Haltbarkeitsfristen machen klassische Konservierungsstoffe bei vielen Mayonnaisen ohnehin überflüssig. Der Hinweis auf deren Abwesenheit ist also keine besondere Leistung, sondern längst Standard geworden.

Gleichzeitig lenken diese Auslobungen geschickt von den tatsächlich relevanten Nährwerten ab. Während prominent mit fehlenden Zusatzstoffen geworben wird, verschwinden Fettgehalt, Kaloriendichte und Salzanteil im Kleingedruckten. Der Zuckergehalt variiert je nach Rezeptur: Klassische Mayonnaise enthält meist keinen Zucker, manche Varianten mit speziellen Formulierungen durchaus messbare Mengen. Auch beim Salzgehalt gibt es Unterschiede – typischerweise liegen die Werte zwischen 0,8 und 1,2 Gramm pro 100 Gramm, was bereits einen beachtlichen Anteil der empfohlenen Tagesmenge darstellt.

Kindergerechte Verpackungen als Verkaufsstrategie

Manche Mayonnaise-Produkte richten sich durch ihr Design gezielt an Familien. Fröhliche Farben, kindgerechte Portionsgrößen und spezielle Verschlusssysteme sprechen Eltern und Kinder gleichermaßen an. Hier kommen besonders häufig Symbole zum Einsatz, die Unbedenklichkeit vermitteln sollen. Ein Bärchen hier, eine Sonne dort – solche Elemente schaffen positive Assoziationen, ohne konkrete Aussagen zu treffen. Genau diese Grauzone wird systematisch genutzt, denn grafische Symbole ohne spezifische Behauptungen unterliegen meist nicht den strengen Regelungen für gesundheitsbezogene Angaben.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bleibt Mayonnaise jedoch ein Produkt, das nur in Maßen konsumiert werden sollte. Für Kinder, deren Energiebedarf deutlich niedriger ist als der von Erwachsenen, kann regelmäßiger Konsum schnell zur Überschreitung der empfohlenen Fettzufuhr führen – ganz unabhängig davon, welche bunten Zeichen die Verpackung zieren.

Selbstzertifizierung und fehlende Kontrolle

Ein besonders kritischer Aspekt sind Siegel, die von Herstellern selbst oder von branchennahen Organisationen vergeben werden. Diese erwecken den Eindruck externer Kontrolle, basieren aber oft auf selbst definierten Kriterien ohne neutrale Überprüfung. Anders als bei staatlich anerkannten Bio-Siegeln oder Prüfzeichen unabhängiger Verbraucherorganisationen fehlt die kritische Distanz zum Produkt. Wer steht hinter dem Siegel? Welche Kriterien werden geprüft? Solche Fragen lassen sich im Supermarkt selten spontan beantworten.

Echte Orientierung bieten nur Zertifizierungen von unabhängigen Institutionen, die nach transparenten, wissenschaftlich fundierten Kriterien arbeiten. Diese unterliegen regelmäßigen Kontrollen und können bei Verstößen entzogen werden. Selbst entwickelte Symbole hingegen bleiben dauerhaft auf der Verpackung – unabhängig von Produktänderungen oder neuen Erkenntnissen.

Worauf es beim Kauf wirklich ankommt

Statt sich von bunten Symbolen leiten zu lassen, lohnt der Blick auf die Nährwerttabelle. Hier finden sich die objektiven Informationen: Fettgehalt, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz. Diese Werte ermöglichen einen echten Vergleich verschiedener Produkte. Zusätzlich verdient die Zutatenliste Aufmerksamkeit: Je kürzer und verständlicher, desto besser. Klassische Mayonnaise besteht im Wesentlichen aus Öl, Eigelb, Essig oder Zitronensaft sowie Gewürzen. Lange Listen mit zahlreichen E-Nummern deuten auf stärker verarbeitete Produkte hin – auch wenn die Vorderseite etwas anderes suggeriert.

Vielleicht hilft auch ein Perspektivwechsel: Mayonnaise muss nicht gesund sein, um ihren Platz in der Ernährung zu haben. Als gelegentlicher Genuss, bewusst eingesetzt und in kleinen Mengen, kann sie Speisen verfeinern. Die Irreführung entsteht erst, wenn Produkte durch Siegel als etwas dargestellt werden, das sie nicht sind. Für die Kinderbrotdose gibt es zahlreiche Alternativen wie Frischkäse, Hummus oder Quarkzubereitungen, die geschmackliche Vielfalt bei oft günstigerer Nährstoffzusammensetzung bieten.

Rechtliche Spielräume und Verbraucherschutz

Die Gesetzgebung zur Lebensmittelkennzeichnung hat sich verschärft. Gesundheitsbezogene Angaben unterliegen strengen Vorschriften und dürfen nur verwendet werden, wenn sie wissenschaftlich belegt sind. Dennoch bleiben Spielräume, die für Marketingzwecke genutzt werden. Symbole und grafische Elemente, die keine konkreten Aussagen treffen, fallen oft nicht unter diese Regelungen. Ein stilisiertes Herz macht keine überprüfbare Behauptung – weckt aber dennoch Assoziationen. Diese Grauzone wird systematisch ausgenutzt, um positive Eindrücke zu erzeugen, ohne rechtliche Grenzen zu überschreiten.

Verbraucherschutzorganisationen fordern daher mehr Transparenz und strengere Regelungen. Bis dahin bleibt kritisches Hinterfragen das beste Werkzeug gegen irreführendes Marketing. Der Einkauf für Kinder erfordert besondere Aufmerksamkeit, denn Produkte, die sich durch Siegel als kindergerecht präsentieren, verdienen einen zweiten Blick. Die Gesundheit unserer Kinder ist zu wichtig, um sie bunten Versprechen zu überlassen, die bei genauerer Betrachtung mehr Schein als Sein sind.

Achtest du bei Mayonnaise auf die Siegel oder Nährwerttabelle?
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