NASA-Studie enthüllt: Was Efeututen in Ihren vier Wänden tatsächlich bewirken und was pure Marketing-Lüge ist

Die Efeutute (Epipremnum aureum), im Alltag oft einfach Pothos genannt, gehört zu jenen Pflanzen, die unauffällig in einer Ecke stehen und mehr leisten, als ihr stilles Wachstum vermuten lässt. Sie wächst unter schwachem Licht, braucht wenig Pflege und vermehrt sich fast unbegrenzt durch einfache Stecklinge im Wasser – eine Eigenschaft, die Nachhaltigkeit im Alltag unmittelbar erfahrbar macht.

In modernen Wohnungen finden sich zahlreiche Herausforderungen für das Raumklima. Wandfarben, Möbel, Reiniger und Kunststoffe prägen unsere Innenräume ebenso wie die zunehmende Tendenz zu luftdicht isolierten Gebäuden. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass natürliche Elemente im Wohnbereich mehr als nur Dekoration sein können. Die Efeutute steht beispielhaft für eine Pflanze, die sich nahtlos in verschiedene Lebensstile einfügt, ohne dabei komplizierte Pflegeanleitungen oder spezielle Ausrüstung zu verlangen. Ihre Robustheit macht sie zu einer idealen Begleiterin für Menschen, die ökologische Prinzipien praktisch umsetzen möchten, ohne dabei auf Ästhetik verzichten zu müssen.

Dabei geht es weniger um spektakuläre Versprechen als vielmehr um die Frage, welche Rolle Zimmerpflanzen tatsächlich in unserem Alltag spielen können. Die Antwort darauf ist differenzierter, als manche Darstellungen vermuten lassen, und gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was wissenschaftlich dokumentiert ist – und was in den Bereich der Spekulation fällt.

Wissenschaftliche Grundlagen: Was Laborstudien zeigen – und was nicht

Die Fähigkeit der Efeutute, flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Formaldehyd, Benzol, Trichlorethylen und Toluol aufzunehmen, wurde erstmals in den späten 1980er Jahren systematisch untersucht. Die NASA-Luftreinigungsstudie, durchgeführt von Wolverton et al., dokumentierte in isolierten, versiegelten Testbehältern ohne Luftaustausch, dass Efeututen und andere Zimmerpflanzen innerhalb weniger Stunden die Konzentration bestimmter VOC messbar senken konnten. Diese Untersuchungen bildeten die Grundlage für das weit verbreitete Bild der luftreinigenden Zimmerpflanze.

Was dabei jedoch oft übersehen wird: Diese Ergebnisse stammen aus völlig luftdichten Kammern ohne jeglichen Luftaustausch und mit künstlich erhöhten Schadstoffkonzentrationen – Bedingungen, die einem normalen Wohnraum fundamental widersprechen. Wie Cummings und Waring in ihrer Studie aus dem Jahr 2019 sowie weitere Untersuchungen aufzeigten, lassen sich die NASA-Ergebnisse nicht auf echte Wohnräume mit natürlicher Belüftung übertragen. In belüfteten Räumen ist die VOC-Reduktion durch Zimmerpflanzen praktisch nicht messbar. Diese Klarstellung mindert jedoch nicht den Wert der Efeutute als Zimmerpflanze – sie rückt ihn lediglich in ein realistischeres Licht.

Denn während die luftreinigende Wirkung in normalen Haushalten vernachlässigbar sein mag, gibt es andere, gut dokumentierte Effekte, die praktische Relevanz besitzen. Einer der nachweisbar wirksamen Beiträge der Efeutute zum Raumklima liegt in der Regulation der Luftfeuchtigkeit. Durch Transpiration – also die Verdunstung von Wasser über die Blattoberflächen – geben Pflanzen kontinuierlich Feuchtigkeit an ihre Umgebung ab. Räume mit mehreren großen Exemplaren weisen messbar stabilere Luftfeuchtigkeiten zwischen 45 und 50 Prozent auf, ein Bereich, der als optimal für das menschliche Wohlbefinden gilt.

Was die Efeutute tatsächlich leistet: Luftfeuchtigkeit und Mikroklima

Dieser Effekt ist besonders in den Wintermonaten spürbar, wenn Heizungsluft die Raumfeuchtigkeit drastisch senkt. Trockene Schleimhäute, gereizte Augen und ein erhöhtes Infektionsrisiko sind die Folgen. Die Efeutute wirkt hier als natürlicher Feuchtigkeitsregulator, ohne dass elektrische Luftbefeuchter mit ihrem Energieverbrauch und Wartungsaufwand nötig wären. Dieser Aspekt allein rechtfertigt ihre Präsenz in Wohnräumen aus funktionaler Perspektive.

Darüber hinaus trägt die bloße Anwesenheit von Grünpflanzen zu einem psychologisch angenehmeren Raumempfinden bei – ein Faktor, der sich zwar schwer quantifizieren lässt, aber in zahlreichen Studien zur Wohnraumqualität Erwähnung findet. Interessanterweise liegt der Haupteffekt bei der potenziellen Schadstoffaufnahme nicht primär in den Blättern, sondern im Wurzelbereich. Studien zeigten, dass Mikroorganismen, die in Symbiose mit den Pflanzenwurzeln leben, eine zentrale Rolle beim Abbau von chemischen Verbindungen spielen. Diese Mikroben bilden ein dynamisches Ökosystem, das bestimmte organische Moleküle metabolisieren kann.

In Erdkulturen ist dieses mikrobielle Netzwerk gut etabliert. Bei Wasserkulturen bilden sich ebenfalls Biofilme auf den Wurzeloberflächen, deren genaue Zusammensetzung und Funktionsweise im Kontext von Efeututen allerdings wissenschaftlich noch nicht umfassend dokumentiert ist. Dennoch bleibt festzuhalten: Die Pflanze ist mehr als nur ein grünes Blatt an einem Stiel. Sie beherbergt ein mikrobielles Habitat, dessen Interaktionen komplex und noch nicht vollständig verstanden sind. Die Symbiose zwischen Pflanze und Mikroorganismen macht die Efeutute zu einem kleinen, lebenden Ökosystem, das Stabilität und Anpassungsfähigkeit demonstriert – auch wenn die praktischen Auswirkungen auf die Raumluftqualität begrenzt bleiben.

Stecklingsvermehrung im Wasser als Modell zirkulärer Nutzung

Eine Besonderheit der Efeutute ist ihr vegetatives Wachstum. Ein einziger Trieb kann mit einer Schere in mehrere Stücke von etwa 10 cm Länge geteilt werden. Sobald jedes Stück einen Blattknoten und ein Blatt besitzt, lassen sich die Stecklinge in ein Glas mit Leitungswasser setzen, wo sie nach wenigen Tagen Wurzeln bilden. Dieser Vorgang, so alltäglich er wirkt, illustriert zirkuläres Denken: Ressourcen werden nicht konsumiert, sondern regeneriert. Im Gegensatz zu vielen Zimmerpflanzen benötigen Pothos-Stecklinge keine speziellen Substrate, Töpfe oder Kunststoffkapseln, was den Einsatz neuer Materialien minimiert.

Mit jedem neu bewurzelten Trieb entsteht eine zusätzliche Pflanze – oder ein Geschenk, das ohne Verpackung und Transportemissionen auskommt. Die Wasservermehrung der Efeutute ist eine einfache, aber unterschätzte Maßnahme zur Reduktion von Plastikmüll im Haushalt:

  • Kein Bedarf an zusätzlichen Kunststofftöpfen oder -untersetzern
  • Verzicht auf Plastiksäcke für Blumenerde oder Substrate
  • Wiederverwendung von Glasgefäßen, Flaschen oder Einmachgläsern für die Bewurzelung
  • Vermeidung von Einwegdekorationen durch lebende, nachwachsende Pflanzen

Diese alltäglich anwendbare Praxis übersetzt ökologische Theorie direkt in Handlung: Regeneration durch Wiederverwendung. Die Efeutute dient damit als greifbares Beispiel, wie man Nachhaltigkeit nicht nur predigt, sondern sichtbar wachsen lässt. In einer Zeit, in der Wegwerfkultur und Konsumismus dominieren, bietet diese einfache Vermehrungsmethode eine niedrigschwellige Möglichkeit, bewusster mit Ressourcen umzugehen.

Zudem fördert die Weitergabe von Stecklingen soziale Interaktionen: Eine selbst gezogene Pflanze als Geschenk trägt eine persönliche Note und vermittelt Werte, die über den materiellen Wert hinausgehen. Sie wird zum Symbol für Achtsamkeit, Geduld und die Freude am Wachstum – Qualitäten, die in einer beschleunigten Gesellschaft zunehmend Seltenheitswert besitzen.

Einfluss von Licht, Wasser und Blattfläche auf die Pflanzengesundheit

Die Vitalität einer Efeutute hängt eng mit den physiologischen Parametern ihrer Umgebung zusammen. Nicht jede Pothos, die auf einem Regal in der Ecke steht, entfaltet ihr volles Potenzial. Die Lichtintensität spielt eine zentrale Rolle: Die Efeutute bevorzugt indirektes, helles Licht. Bei ausreichender Beleuchtung verstärkt sich ihre Photosyntheseaktivität, was wiederum zu kräftigerem Wachstum führt. Unter zu dunklen Bedingungen verringert sich die Stoffwechselrate, die Pflanze wächst langsamer und produziert kleinere, blassere Blätter.

Die Wasserqualität ist ebenfalls entscheidend: Leitungswasser mit hohem Chlorgehalt kann die Wurzelhaare schwächen und das mikrobielle Gleichgewicht im Wurzelbereich beeinträchtigen. Abgestandenes oder gefiltertes Wasser fördert die Stabilität der Symbiose zwischen Wurzel und Mikroben und unterstützt gesundes Wachstum. Je größer und gesünder die Blattoberfläche, desto mehr Spaltöffnungen stehen für den Gasaustausch zur Verfügung. Staub oder Fettrückstände wirken wie eine Barriere und verhindern den Gasaustausch. Regelmäßiges Abwischen der Blätter mit einem feuchten Tuch steigert somit nicht nur die Ästhetik, sondern auch die physiologische Funktionsfähigkeit der Pflanze.

Die Pflanze reagiert auf diese Umgebungsvariablen mit subtiler Anpassung. Ein Trieb, der nahe am Fenster wächst, entwickelt oft größere, kräftiger gefärbte Blätter – ein Zeichen intensiverer metabolischer Aktivität. Diese Beobachtungen lassen sich im häuslichen Umfeld leicht nachvollziehen und bieten eine unmittelbare Rückmeldung über die Bedingungen, unter denen die Pflanze gedeiht.

Nachhaltige Ästhetik statt Wegwerfkultur

Efeututen passen sich fast jeder Umgebung an – hängend, rankend, kletternd. Ihr Wachstum ist ein Gegenentwurf zur kurzlebigen Ästhetik vieler Wohnaccessoires. Wo Kunststoffpflanzen nach Monaten verstauben, entwickelt eine echte Efeutute durch minimale Pflege eine eigene Formensprache, die aus Licht, Wasser und Zeit entsteht. Der ökologische Wert liegt nicht nur in messbaren physikalischen Effekten, sondern in der Kontinuität ihres Lebenszyklus. Eine Pflanze, die über Jahre hinweg wächst, ersetzt unzählige kurzlebige Dekorationsobjekte. So verbinden sich Stilbewusstsein und ökologische Verantwortung.

In der Kombination mit anderen Zimmerpflanzen – etwa Sansevieria oder Chlorophytum – lassen sich kleine Grünsysteme gestalten, die verschiedene ästhetische und funktionale Aspekte abdecken. Die Efeutute spielt hierbei eine besondere Rolle, weil sie sowohl hängend als auch aufsteigend positioniert werden kann und so mehrere räumliche Ebenen eines Zimmers gestalterisch erschließt. Die visuelle Präsenz von Grün im Wohnraum trägt nachweislich zu erhöhtem Wohlbefinden bei. Studien aus der Umweltpsychologie zeigen, dass natürliche Elemente Stress reduzieren und die Konzentrationsfähigkeit fördern können.

Pflegepraktiken, die ökologische Wirkung verstärken

Nachhaltigkeit im Pflanzenhaushalt beruht nicht auf Menge, sondern auf Bewusstsein für Kreisläufe. Wer die Efeutute gezielt kultiviert, kann mit kleinen Handgriffen ökologische Effekte potenzieren:

  • Verwendung von gesammeltem Regenwasser statt Flaschenwasser
  • Zugabe einer minimalen Menge Komposttee oder organischer Düngerlösung zur Förderung der Wurzelmikroben
  • Weitergabe bewurzelter Stecklinge als Beitrag zu gemeinschaftlicher Begrünung statt Neukauf
  • Integration in vertikale Begrünungssysteme, die gleichzeitig das Raumklima durch Feuchtigkeitsregulation unterstützen

Diese Maßnahmen verbinden ökologische Prinzipien mit alltagstauglichem Verhalten. Das Ziel ist nicht, eine perfekte Nachhaltigkeit zu erreichen, sondern Routinen so zu verfeinern, dass sie weniger Ressourcen verbrauchen und gleichzeitig ästhetisch bereichern. Die Verwendung von Regenwasser beispielsweise reduziert nicht nur den Trinkwasserverbrauch, sondern bietet der Pflanze auch mineralreicheres, chlorfreies Wasser, das ihre Vitalität fördert. Ein einfaches Sammelsystem auf dem Balkon oder im Garten genügt, um über Monate hinweg ausreichend Gießwasser bereitzustellen.

Realistische Einordnung: Was Efeututen können – und was nicht

Es ist wichtig, die Rolle der Efeutute nicht zu romantisieren, aber auch nicht zu unterschätzen. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt klar: In normal belüfteten Wohnräumen ist eine messbare Reduktion von flüchtigen organischen Verbindungen durch Zimmerpflanzen nicht nachweisbar. Was die Efeutute jedoch nachweislich leistet, ist die Regulierung der Luftfeuchtigkeit – ein Effekt, der gerade in trockenen Räumen spürbar zum Wohlbefinden beiträgt. Sie bietet zudem ästhetischen Mehrwert, fördert durch ihre Präsenz psychisches Wohlbefinden und demonstriert durch ihre einfache Vermehrbarkeit ökologische Prinzipien im Kleinen.

Wer eine Efeutute kultiviert, sollte dies also nicht in der Erwartung tun, damit eine Luftreinigungsanlage zu ersetzen. Stattdessen geht es darum, ein lebendiges Element in den Wohnraum zu integrieren, das durch seine Anpassungsfähigkeit, Langlebigkeit und symbolische Kraft überzeugt. Die Efeutute ist keine Wunderpflanze. Sie wird die Luftqualität in Ihrer Wohnung nicht revolutionieren, und sie ersetzt keine moderne Lüftungstechnik. Was sie jedoch bietet, ist etwas anderes: eine greifbare Verbindung zu ökologischen Kreisläufen, eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit im Kleinen zu praktizieren, und ein lebendiges Symbol für Anpassungsfähigkeit und Regeneration.

Ein lebender Filter, der Denken verändert

Wer über längere Zeit mit Pflanzen lebt, verändert gewöhnlich seine Wahrnehmung von Pflege und Abfall. Die Efeutute ist ein besonders wirksamer Lehrer in dieser Hinsicht: Sie zeigt sichtbar, wie wenig Aufwand genügt, um stabile Lebensprozesse aufrechtzuerhalten. Wenn sich eine Wurzelspur in klarem Wasser ausbreitet, ist das mehr als ein dekorativer Effekt. Es ist ein Hinweis darauf, wie Biologie Verluste in Ressourcen verwandelt. In einem Haushalt, der Stecklinge teilt statt kauft, Schalen wiederverwendet statt wegwirft, und Blätter pflegt statt ersetzt, entsteht eine Kultur des Erhaltens statt des Ersetzens.

Diese Haltung erstreckt sich oft über die Pflanzenpflege hinaus. Wer lernt, eine Efeutute zu vermehren, beginnt möglicherweise auch, Kleidung zu reparieren, Lebensmittel zu fermentieren oder Möbel aufzuarbeiten. Die Prinzipien sind dieselben: Geduld, Aufmerksamkeit, Wertschätzung für Prozesse statt für sofortige Ergebnisse. Psychologisch gesehen schafft die Pflege von Lebewesen – selbst von so genügsamen wie der Efeutute – eine emotionale Bindung, die über reine Funktionalität hinausgeht. Diese Bindung fördert Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, langfristig zu denken.

In einer Zeit, in der Umweltthemen oft abstrakt und überwältigend wirken, bietet die Kultivierung einer Efeutute einen niedrigschwelligen Einstieg in nachhaltigeres Handeln. Sie zeigt, dass Ökologie nicht immer große Gesten erfordert, sondern oft in den kleinen, alltäglichen Entscheidungen beginnt: eine Pflanze zu vermehren statt zu kaufen, Wasser wiederzuverwenden, Ressourcen wertzuschätzen. In einem Glas Wasser, in dem sich Wurzeln ausbreiten, liegt mehr als nur Biologie. Es liegt eine Einladung, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und zu erkennen, dass Wachstum Zeit braucht – aber dass es sich lohnt, diese Zeit zu investieren.

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